5.12.09

Geh doch zu Hause, Du oller Schweiger

Als ich heute über die Kritik der Filmbewertungsstelle stolperte, konnte ich mir ein lautes Lachen nicht verkneifen. Der Fortsetzung des Jahres wurden dort folgende Attribute zuerkannt:

  • Das Erfolgsrezept von Teil 1 wird übernommen:

    Ist also wieder genauso Scheiße.

  • Slapstick-Einlagen

    Uiuiui, ich bin ja der letzte, der nicht lacht, wenn Schweiger auf die Fresse fällt, aber macht das einen guten Film?

  • frecher Wortwitz

    Da hat sich jemand vertippt: aufgewärmter alter Wortwitz müßte es heißen. Frech wäre schließlich sowas wie originell.

  • süße Kids

    Ich bin ja der Meinung, daß das ein Oxymoron ist, aber selbst, wenn ich mich täuschen sollte, gehören die Schweiger Bratzen da ebenso wenig hin, wie Jimi Blue Ochsenknecht und wie die Arschlöcher noch alle so heißen.

  • viele bekannte deutsche Darsteller

    Vorausgesetzt man hat ein BILD Abo.

    Nenene, wenn der schon so gelobt wird, weil er alles uninspiriert wiederholt, ist das ein wahres Armutszeugnis für die deutsche Kulturlandschaft. Und wenn Leute uninspirierte Wiederholungen gut finden, haue ich doch glatt mein Gekrakel wieder raus, das mir zu Teil 1 damals aus den Fingern fiel:

    Wenn die Sonne der Kultur schief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.
    Karl Kraus

    Rezeptur für einen erfolgreichen deutschen Kinofilm

    Man nehme:
  • Die altbackene Liebesgeschichte vom arroganten Allesvögler, der sich für eine kleine graue Maus, die er am Anfang natürlich überhaupt nicht leiden kann, zum netten Kerl entwickelt. Sie kann ihn selbstverständlich auch erst gar nicht ab, merkt aber schnell, daß er doch so ganz anders als all die anderen ist, sodaß sie am Ende gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten können.
  • Einen absolut dämlichen Titel, der notdürftig als Dialog ins Drehbuch integriert wird (siehe nächster Punkt).
  • Schlechte Dialoge, bei denen sich einem die Fußnägel hochrollen. Dafür schaut man sich auf 3 Promille abwechselnd Tarantino/Smith & Screwballkomödien an, um dann im Rausch zu entscheiden, daß man es wesentlich besser hinbekommen könnte, wenn man beides miteinander vermischt. Das Drehbuch muß dabei fertig sein, bevor man auf 2 Promille runter ist.
  • Eine Dramaturgie fernab jeder Realität, warum muß die Handlung auch nachvollziehbar sein – Hauptsache, alle haben Spaß.
  • Einen abgewrackten Ex-Mantafahrer, der blöd (oder größenwahnsinnig?) genug ist, zu glauben, jeder könne Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in einer Person in sich vereinen, ohne dass die Qualität des Filmes darunter leiden würde.
  • Sämtliche Kinder des Regisseurs, Produzenten, Drehbuchautoren und Hauptdarstellers für Nebenrollen; je mehr sie nuscheln und keinen Satz geradeaus sprechen können, desto besser ist das für den "Oh, wie süüüüüß"-Faktor.
    Darsteller, die in keiner Daily Soap eine Rolle kriegen würden, weil ihnen jegliches Talent und Gefühl für Timing abgeht. Kann man diese nicht bekommen, nimmt man „richtige“ Schauspieler und gibt ihnen die Anweisung, ihren Text so lustlos und hölzern wie möglich runterzurasseln. Nie mehr als ein Take und das Versprechen, daß bald Mittagspause ist, sollte dafür eine gute Motivation sein.
  • Cameoauftritte von C-Promis und Has Beens; damit jeder irgendwie mal im Kino hochschnellen kann, um mit ausgestrecktem Finger in Richtung Leinwand zu brüllen: „Den kenn ich doch! Das ist doch die/der aus dem Dings mit der Dings!“
  • Vergewaltigung deutschen Kulturgutes durch hippe Neuinterpretation von Kindern; vorzugsweise Goethe, Heine oder Schiller.
  • Einen Witz als Abschlusspointe, der so alt ist, daß Opa dafür schon an der Front aus Versehen durch Freundfeuer bestraft wurde. Scheißegal, solange es in Cinemascope erzählt wird, ist der Inhalt doch sowieso nebensächlich.
  • 2000 Flaschen Jack Daniels (oder wahlweise anderen harten Stoff), um die Sache für alle Beteiligten erträglich zu machen.

    Zubereitung:
    Das ganze wird in einer Schüssel zu einem schleimigen Brei verrührt, und anschleißend für 30 Minuten bei 200 Grad im vorgeheizten Kitschofen gebacken.
    Das Ergebnis garniert man dann mit den Mausetitten von Nora Tschirner – das Auge ißt ja schließlich mit.
    Man erhält eine rohe Masse, die wie Scheiße aussieht, wie Scheiße riecht und wie Scheiße schmeckt, aber anstatt das ganze unter ständigem Rühren in den Ausguß zu kippen, verkauft man es für viel Geld an Warner; die haben schon lange rausgefunden, daß das Publikum alles schluckt, sofern es gut vermarktet wird.
    Dabei hilft oft ein kleiner Skandal; so kann der Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Hauptdarsteller z.B. (rein hypothetisch natürlich) beleidigt aus der Filmakademie austreten, wenn sein Machwerk (zurecht) nicht für den deutschen Filmpreis nominiert wird.
    Das sorgt für Schlagzeilen und mindestens eine Million Zuschauer mehr.
    Und wenn der Kinovorführer dann sagt: „Heute gibt es Scheiße mit Erdbeeren.“, brüllt der ganze Saal geschlossen: „Iiiih, Erdbeeren!“
    Et voilà – Champagner! So feiert man den Untergang des Abendlandes.

    Die GALA-Wertung:

    FLIRTCHANCEN: 5 von 5 Sektgläsern - aus irgendeinem seltsamen Grund ein echter Dosenöffner
    CATERING: Das klassische Popcorn mit Loch in der Tüte wirkt Wunder und schmeckt der Begleitung; siehe Flirtchancen
    OOPS...: Zwischendurch immer wieder Zeit gefunden, Hans Albers und Heinz Rühmann zu vermissen

    Hmmmm, sieht irgendwie so aus, als hätte sich die Filmbewertungsstelle bei mir inspirieren lassen...
  • Kommentare:

    1. Oh Würdiger, lass# regnen des Barths Pisse auf das deuscteh Volk, ergieß den taffen SAft über den Pöbel, dass er kleinlaut dahinschmelze wie der Seelenverkäuer vor dem Jüngsten Gericht.

      Das sind nicht 20 Zentimete, nie im Leben kleiner...

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    2. Was wird wohl Viney dazu sagen, wenn er das hier liest? ;)

      Na ja, hab den ersten Teil jetzt am Montag gesehen und muss sagen, dass ihr irgendwie beide recht habt und auch wieder nicht. Meine Konsenssucht treibt mich da genau zwischen euch. Wenn ich da mal nicht zerquetscht werde...

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    3. Kein Wunder, daß Brummbärle Suizidgedanken mit sich trägt, wenn er so etwas gut findet - verstößt schließlich gegen sein innerstes Weltbild.

      @Dirt: War wohl ne harte Nacht?

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    4. War es doch nicht geträumt, dass ich vor dem Heiamachen hier nochmal vorbeischaute.

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