27.1.11

Sägen - aber richtig!

Saw
2 Typen wachen an Rohre gekettet im Trainspotting Klo auf, und eine Leiche sagt ihnen per Tape, daß der eine den anderen töten soll, wenn er da wieder raus will. Kleiner-, fieser- und relativ spannender Low-Budget Film, der den Makel hat, daß man es nicht schaffte, diese Situation auf 90 Minuten auszudehnen, weswegen "Saw" zwischendurch immer wieder zu einem Se7en Rip-Off mutiert, wenn ein paar Bullen nach einem Serienkiller fahnden.
Bester Moment: Wenn die "Leiche" am Ende aufsteht, weiß man nicht so recht, ob man lachen- oder mit dem Kopf auf den Tisch knallen soll. Und obwohl es zu einem Sport werden wird, zu versuchen, in den Fortsetzungen die Logiklöcher der Vorgänger auszumerzen, zählt immer der Ersteindruck. Und der lacht nur über den Versuch, am Ende mit einem gigantischen Mindfuck-Moment zu glänzen - ein Brauch, der sich leider durch die ganze Reihe zieht.

Saw II
Jetzt kommt Darren Lynn Bousman; der rannte jahrelang mit einem beschissenen Drehbuch in Hollywood rum, und in dem Moment, wo Saw erfolgreich anläuft, wird er angesprochen, ob man daraus nicht ne Fortsetzung machen könnte. Schnell noch den Autor vom ersten Teil ran und man hat ein paar Typen, die in einem Haus voller Fallen aufwachen und von Jigsaw geprüft werden.
Willkommen zum langweiligsten Teil der Franchise. Hier wurden für aufmerksame Zuschauer so viele Hinweise auf den grandiosen Plottwist gestreut, daß man nach 20 Minuten weiß, wie es ausgeht; das wäre nicht allzu schlimm, wäre da nicht auch noch das völlige Desinteresse am Schicksal der Opfer. Was wurde hier falsch gemacht, daß man den Leuten nicht den Tod an den Hals wünscht? Das A und O eines jeden Horrorfilms...

Saw III
Erst letzte Woche gesehen und trotzdem muß man nachschlagen, um sich zu erinnern, was da überhaupt passierte. Liegt wohl daran, daß die Reihe jetzt immer lächerlichere Züge annimmt. Die Handlung wird immer überkonstruierter und die Fallen sadistischer. Was bewegt einen Menschen dazu, solche exaltierten Todesapparate zu konstruieren, wenn er sein Ziel auch mit einer einfachen Partie Russisch Roulette erreichen könnte? Weil der Weg das Ziel ist, mögen jetzt einige sagen, was genau die gleiche Augenwischerei ist, wie die Tatsache, daß Jigsaw einfach weiß, wie sich die Spieler verhalten, weswegen, die überkonstruierte Handlung einfach so sein darf. Ist einfach so; friß oder stirb.
Wenigstens nicht so langweilig wie Teil 2, und der Kopfschuß am Ende ist echt geil.

Saw IV
Genauso wie Teil III, aber die Goreschraube etwas gelockert, während die Lächerlichkeitsschraube noch fester gezogen wird. Erinnerungswürdigster Moment ist der, in dem die Tatortfotografin bei ihrer Arbeit durch den Hals geschossen wird, weil jemand so doof war, eine Falle auszulösen und jemand anderes jemanden mit blitzartigen Reflexen aus der Schußlinie zieht; zur falschen Zeit am falschen Ort - dumm gelaufen. Genialer Mindfuckmoment: Handlung spielt vor Teil 3. Geil!

Saw V
Disqualifiziert sich spätestens dann, wenn das attraktivste Mädel als erstes geköpft wird. Ein wenig Respekt gibts dafür, daß es der erste Film der Reihe ist, in dem niemand hätte sterben müssen, hätte einfach jeder nur die Anweisungen befolgt. Aber natürlich wußte Jigsaw wieder, daß der Egoismus der Menschen blablabla...

Saw VI
Hollywoods Antwort auf Michael Moores "Sicko". Irgendein Boss einer Krankenversicherung, der aussieht wie ein junger Peter O'Toole, wird gezwungen, ein paar Menschen sterben zu lassen, um am Ende vor den Augen seiner Schwester zu schmelzen. Ein herzzerreißendes Plädoyer für Selbstjustiz, wenn Mami es am Ende nicht fertig bringt, den Hebel zu ziehen, und es Junior für sie übernimmt. Bravo!

Saw VII
Der intelligenteste Moment der kompletten Reihe ist gleich der Anfang, bei dem man sich entschied, dem Publikum einen Spiegel vors Gesicht zu halten: 3 Menschen gefangen in einem Glaskäfig, der in einer Fußgängerzone platziert ist. Die 3 Menschen schreien nach Hilfe, aber alle stehen nur da und schauen zu, nehmen es mit ihrem I-Phone auf. Getreu dem Motto: "Ihr wollt Gore? Sollt Ihr haben!" wird dann vor einem jubelndem Publikum eine Dame in zwei Teile zersägt. Danach geht es auch genauso konsequent weiter: Ohne leitenden Faden werden Fallen an Fallen gereiht, die nur dem Zweck dienen, Menschen auf möglichst kreative Art und Weise zu zerfetzen. Scheiß auf die Handlung, Gesichter des Todes ist zurück - nur daß man hier von Anfang an weiß, daß alles nicht echt ist, oder...?

Was hat Saw uns letztlich gebracht? - Die Post-Rocky-Generation kann jetzt auch ein paar römische Zahlen lesen.

Kommentare:

  1. Der Überblick verstärkt meinen bisherigen Eindruck, diese Filmreihe sägte vorallem ein beachtliches Stück Holz von meinem Lebensbaum ab, gesetzt den Fall, ich täte sie mir an.

    Allerdings habe ich auch den Eindruck gewonnen, man könne seine Lebenszeit lustvoller und ergiebiger verschwenden, als mit dem Sägen nach römischen Zahlen.

    Nebenbei: Hat Lucas nicht nachträglich auch noch seine Triloge um drei Nervensägen ergänzt und römsch neu durchgezählt? Episode I-VI ?

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  2. Stimmt, aber eine Post-"Star War SE 1997"-Generation klang nicht so geil wie Rocky. Außerdem gabs genau darüber auch keinen Witz bei den Simpsons, den ich so gut hätte verwursten können.

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