9.12.13

In anderer Sache

Von: "Referat fuer Hochschulpolitik RefRat HU Berlin" <hopo@refrat.hu-berlin.de>
Datum: 09.12.2013 13:56
Betreff: [hu-an-studis] PM: HU Berlin entfernt Portrait von Antirassistin und ehrt stattdessen NSDAP-Mitglied Adolf Butenandt
An: <hu-an-studis@lists.hu-berlin.de>

09.12.2013
Pressemitteilung des Referats für Hochschulpolitik im Referent_innenRat
der HU Berlin
Kontakt: hopo@refrat.hu-berlin.de
Telefon: (030) 2093-46662
Kontaktpersonen: Elisa Weidenhammer, Enno Hinz



HU Berlin entfernt Portrait von Antirassistin und ehrt stattdessen
NSDAP-Mitglied Adolf Butenandt


Am Morgen des 05.12.2013 tauchte im Internet und per Mail an Strukturen
der Verfassten Studierendenschaft ein Bekenner_innenschreiben einer Gruppe
namens "Wissen im Widerstand" auf, die sich dazu bekannte "einen Nazi im
Hauptgebäude der Humboldt Universität Berlin überwältigt und entführt" zu
haben. [1]

Gemeint ist Adolf Butenandt, dessen Portrait im Hauptgebäude aus der Reihe
der Nobelpreisträger_innen entwendet wurde. Stattdessen tauchte an der
Stelle ein Portrait der Refugee-Aktivistin Napuli Paul Langa auf.
Die Gruppe wolle damit darauf aufmerksam machen, "dass im Hauptgebäude der
HU nationalsozialistische Nobelpreisträger in einer patriarchalen
Ahnengalerie von "Wissenschaftsvätern" geehrt werden," heißt es in dem
Schreiben.
Adolf Butenandt war Mitglied der NSDAP, forschte zum Beispiel an der
Luftwaffenversuchsstation in Rechlin und arbeitete eng mit NS-Forschern
wie Günther Hillmann und Otmar Freiherr von Verschuer zusammen, deren
Arbeit auch Experimente an KZ-Gefangenen in Auschwitz involvierte.

"Dass in der HU zahlreiche Nazis und Kolonialrassisten mit Portraits
geehrt werden und die kolonialen Forschungsreisen von Alexander von
Humboldt als Inbegriff von Wissenschaft und Neugier verherrlicht werden,
zeigt die tiefe Verwurzelung von Kolonialrassismus in der weißen_deutschen
Wissenschaft" heißt es im Bekenner_innenschreiben, und weiter: "Um die
Kontinuität der rassistischen Ehrungen zu durchbrechen, haben wir diesen
freigewordenen symbolischen Raum einer Person gewidmet, die Widerstand
gegen bestehende Machtverhältnisse leistet."
Für die "Freilassung" Butenandts fordern sie unter anderem, dass die HU
ihre Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beendet,
welche zahlreiche zu Kolonialzeiten geraubte Gegenstände besitzt und
teilweise ausstellt. Die HU plant gemeinsam mit der Stiftung die
Ausstellung "Humboldtforum" in der Rekonstruktion des Berliner
Stadtschlosses.
Außerdem fordert die Gruppe "unbefristete Bereitstellung von Ressourcen
zur umfassenden Aufarbeitung der Kolonial- und NS-Vergangenheit der HU",
"Keine Ehrung von NS- und Kolonialverbrecher_innen", "Umsetzen eines
umfangreichen Konzeptes gegen Rassismus", sofortigen Ausstieg aus
UniAssist, die "Umbenennung der Universität" sowie die Abschaffung von
Zugangsbeschränkungen, Präsidium, Studienverlaufsplänen und Bewertungen.
Auch solle die Uni "ihren Einfluss geltend machen und auf den Berliner
Senat, allen voran Henkel, einwirken, um die Räumung der von Refugees
besetzten Schule und  des Protestcamps am Oranienplatz zu verhindern".

Für einige der Forderungen setzen sich auch Studierendenvertreter_innen
schon lange ein, ein Beispiel ist der Ausstieg der HU aus dem Verein
UniAssist.
"UniAssist ist ein Verein, bei dem sich Menschen mit nicht-deutscher
Hochschulzugangsberechtigung kostenpflichtig bewerben müssen. Das ist
rassistisch, außerdem ist der Preis für Bewerbungen je nach
Staatsbürgerschaft unterschiedlich: Menschen mit deutscher
Staatsbürgerschaft zahlen an der HU nichts, egal, wo sie ihren Abschluss
gemacht haben, Menschen mit EU-Staatsbürgerschaft 43 Euro und alle anderen
68 - für eine einzige Bewerbung! Und aufgrund der hohen Zugangshürden
müssen sich Bewerber_innen im Normalfall an zahlreichen Unis bewerben.
Hinzu kommt, dass der Verein unzuverlässig arbeitet und kaum ansprechbar
ist. Die HU muss austreten und Stellen schaffen, um sich fortan selbst
diesen Bewerbungen zu widmen," sagte dazu João Fidalgo, studentischer
Vertreter im Akademischen Senat.

Noch im Laufe des Freitags wurde das Portrait von Napuli Paul Langa
seitens der HU entfernt und stattdessen ein Schild an die Wand geklebt:
"Das Portrait von Adolf Butenandt ist durch Unbekannte gewaltsam entfernt
worden und wird in Kürze hier wieder zu sehen sein."

Elisa Weidenhammer, Referentin für Hochschulpolitik im Referent_innenRat
der HU: "Dass das Portrait von Butenandt überhaupt an der Wand hing, ist
schon schlimm genug - dass die HU es nun offenbar erneut aufhängen möchte,
zeigt, dass rassistische Zustände an der HU Normalzustand und Kritik daran
dem Präsidium anscheinend vollkommen egal sind. Anders kann ich mir nicht
erklären, wie die Uni es fertig bringen kann, das Portrait einer
Antirassistin abzuhängen und durch das eines Nazis zu ersetzen.
Aufarbeitung der eigenen Geschichte sieht anders aus."

"Dass der Sprecher der HU die Aktion im Tagesspiegel auf Diebstahl
reduziert, ohne auf die Kritik der Entführer_innen einzugehen, ist
bemerkenswert ignorant" fügt Enno Hinz hinzu, ebenfalls Referent für
Hochschulpolitik, "gerade auch weil in dem Bekenner_innenschreiben
thematisiert wird, wie Butenandt zahlreiche Täter vor der Entnazifizierung
schützte, indem er argumentierte, dass Wissenschaft per se unpolitisch
sei. Ob er nun ein erfolgreicher Chemiker war oder nicht; das Portrait
eines Nazis hat in der Uni nichts zu suchen. Die Universitätsleitung täte
gut daran, die Fotografie von Napuli Paul Langa umgehend wieder
aufzuhängen und alle anderen Nazi-Portraits zu entfernen. Der HU-Präsident
Olbertz hat jetzt Gelegenheit, eine antifaschistische Haltung unter Beweis
zu stellen."

Das Referat für Hochschulpolitk fordert das Präsidium der HU auf, zu
seinem Verhalten und den Forderungen des Bekenner_innenschreibens Stellung
zu nehmen.

[1] Bekenner_innenschreiben: https://linksunten.indymedia.org/node/100883

Home of the Weird fordert: keine Verhandlungen mit Terroristen (siehe Air Force One)!
Wenn das Bild nicht zurückgegeben wird, soll der Platz aus Protest mit einem Portrait von Adolf Hitler gefüllt werden!

6 Kommentare:

  1. Also ich habe noch in der Schule gelernt, dass der Kilimandscharo der höchste Berg Deutschlands ist. Aber die Allgemeinbildung von deutschen Studenten ist sowiso im Sinkflug begriffen.

    Im Übrigen glaube ich, dass Dirt hinter der ganzen Sache stehen könnte. Bei mir hat er nämlich ebenfalls zugeschlagen. Als ich heute morgen durch meine Wohnung ging, fiel mir auf, dass jemand mein Heino-Porträt von der Wand weg entführt hat! Statt dessen hing dort ein Porträt von Roberto Blanco. In seinem Bekennerschreiben fordert Dirt, dass ich sofort jede Zusammenarbeit mit Alfons einstellen soll und gefälligst nur noch alfonskritische Kommentare unter dessen Postings setzten sollte.

    Aber ich sage ebenfalls: Keine Verhandlungen mit Terroristen!

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    1. Sieben, das ist nicht nur ein Portrait, das ist ein Kalender! Jeden Tag ein Neger zum essen drin.

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    2. Ach?

      Und jetzt glaubst Du wohl, ich verspachtel gierig und dankbar deine Kalenderneger? Da haste wohl übertriebene Hoffnungen auf meine Altersdemenz gesetzt, Dirt. Aber die Erinnerung an deine Kalenderschenkung an Alfons ist in mein Langzeitgedächtnis eingebrannt wie die Erinnerungen an den Krieg. Davon kann Opa immer ja auch noch erzählen, auch wenn sein Kurzzeitgedächtnis perforiert ist und er die Hose nach dem Klogang nicht mehr hochzieht.

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    3. Oh ja, ich erinnere mich arg, die alten Zeiten, in denen ich noch nichtmal richtig schreiben konnte... Aber wer glaubt, Alfons' Aufenthalt damals in der Klapse war nur 'ne Story, der ist bei dieser Lache eines besseren belehrt.

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  2. Das ist doch Kickifax in Deinem anonymen Großstadtmoloch. Hier in einer 55.000 Einwohner-Stadt mit 12.000 Studenten, da drehen diese erstmal am Zeiger. Die regieren die ganze Stadt. Da wollten die bei uns doch gleich unseren Namenspatron, den Ernst Moritz Arndt, absetzen, weil der wie jeder normale Mensch Franzosen und Juden hasste. Und jetzt gerade ist die ganze Innenstadt mit "Installationen" zugepflastert, um den Stellenabbau an der Uni zu verhindern und meinen Arsch zu retten.

    #dirterzähltuninteressanteanekdotenausseinemleben

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  3. Halst Dich zurück, sonst poste ich ein paar Videos von Dir.

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